Bine im gelobten Land

Eine kleine Geschichte über marokkanische Sekretärinnen:

Februar 5, 2007 · Kommentar schreiben

Einleitend möchte ich erwähnen, dass ich eigentlich keinen persönlichen Groll gegen Menschen verschiedener Herkunft habe. Ich bin ja selber Ausländerin in meiner Wahlheimat. Trotzdem gibt es in Israel bestimmte Volksgruppen, die sich stereotypisieren lassen.

Man nehme z.B. die Israelis marokkanischer Herkunft. Ich rede jetzt nicht von der jüngeren Generation, die bereits in Israel geboren ist und sich dementsprechend akklimatisiert und kultiviert hat. Ich spreche von den Hardcore-Marokkanern. Jenen, die in den 60er Jahren in unzählig vielen Flugzeugen in Israel ankamen, und es bis heute noch nicht geschafft haben, zu begreifen, dass Israel einfach nicht Marokko ist.

Ich hab das große Los gezogen. Meine Schwiegermutter gehört dieser Hardcore-Generation an. Es lacht mich hier entweder jeder dafür aus, oder aber ich werde sehr bemitleidet.

Ihr Lebensinhalt besteht darin, mich seit drei Jahren zu nerven, sich Soap-Operas reinzuziehen, dabei zu heulen, jeden Tag den Fußboden im ganzen Haus zu putzen, über den Ehemann zu schimpfen, über die Schwiegertöchter, Kochmaratons zu veranstalten, bei denen sämtliche Tanten und Cousinen dieses Hardcore-Vereins teilnehmen, klebrige Kekse zu backen, die dann keiner isst, über das Leben zu philosophieren, wie schlimm es doch ist und wie lange es noch dauert, bis der Messias endlich kommt, und und und…..

Aber nun zu unserer Sekretärin.
Sie ist von dieser Hardcore-Sorte und noch in Marokko geboren. Sie ist mindestens drei Zentner schwer, hat blondgefärbte Haare, das Make up mit der Spachtel aufgetragen, Plastikfingernägel und schaut jeden Tag aus wie ein lebendiger Christbaum, so vollgehängt mit Schmuck ist sie. Sie hat noch dazu den selben Vornamen, wie meine Schwiegermutter. Die Stimmlage übrigens auch.

Sie hat es in zwei Jahren nicht geschafft, meinen Namen richtig auszusprechen, verrechnet sich jeden Monat bei der Gehaltsabrechnung, kann keinen Computer bedienen, vergrault dauernd unsere Kunden und spricht kein Wort Englisch. Jedesmal, wenn jemand aus dem Ausland anruft, kreischt sie durch das ganze Gebäude meinen Namen. Ich hab ihr schon hundertmal versucht, den Satz: „Just a moment please!“ beizubringen, aber sie schafft es einfach nicht.

Sie liest Bücher, weil unsere Chefin ihr gesagt hat, sie sei ungebildet. Wenn man sie beim Buchlesen während der Arbeitszeit stört, wird sie fuchsteufelswild. „Siehst du nicht, dass ich beschäftigt bin?“ Sie liest nicht irgendwelche Fachliteratur oder etwa Handbücher über Computer, nee, ganz einfach irgendwelche Schundromane. Sie glaubt, das würde sie weiterbilden.

Außerdem braucht sie ca. alle zwei bis drei Monate einen neuen Bürostuhl. Warum die immer kaputtgehen, ist uns allen ein Rätsel. Der Chef meinte mal, man sollte ihr einen Sessel aus Stahl geben, der würde ihrem Gewicht standhalten.

Tja, sie ist wirklich eine unmögliche Person, die die Wahrheit so zurechtbiegt, wie es ihr gerade beliebt, aber der einzige Grund, warum sie noch hier arbeitet, ist, dass sie mit ihrem großen Mundwerk und ihrer schrillen Stimme eine hervorragende Geldeintreiberin ist. Keiner unserer Kunden will mit ihr ein Problem haben, die zahlen lieber pünktlich, um sich nicht dieses Gekreische anhören zu müssen.

Was lehrt uns diese Geschichte?
Man kann sich weder die Schwiegerfamilie, noch die Arbeitskollegen aussuchen, aber man kann in einem Blog über sie herziehen, weil sie ihn sowieso nicht lesen können.

P.S. Ja, ich weiß, klingt sehr zynisch, aber wenn man tagtäglich mit dieser Hardcore-Sippe zu tun hat, wird man das zwangsläufig.

Kategorien: Die Israelis

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