Israelische Hochzeiten

Letzte Woche waren wir wieder einmal auf eine Hochzeit eingeladen. Ein Arbeitskollege und guter Freund meines Mannes hat sich endlich entschlossen, den grossen Schritt zu wagen und seine langjährige Freundin zu heiraten.

Israelische Hochzeiten sind so ganz anders, wie ihr das vielleicht von jüdischen Hochzeiten aus Filmen kennt. Klar, auch hier heiratet man unter der Chuppah und auch hier zertritt der Bräutigam ein Weinglas und alle schreien „Massel Tov“!

Weshalb sich israelische Hochzeiten aber radikal von jüdischen Filmhochzeiten unterscheiden, lest ihr am besten hier:

Vor ich hier anfange, möchte ich noch eventuelle Missverständnisse aus dem Weg räumen.

Ich schreibe hier ausschließlich von säkularen Israelis, die eine orthodoxe Trauungszeremonie veranstalten.

Schritt 1:

Die Freundin und der Freund sind mit Studieren fertig und wollen zusammenziehen. Die Eltern sind dagegen. Vorher soll man doch heiraten, was soll das, zusammenziehen?

Das Paar überzeugt die Eltern davon, dass sie erst mal versuchen wollen, ob sie zusammenpassen und spätestens nach einem Jahr heiraten. Die Eltern sind beruhigt.

Nach spätestens einem halben Jahr drängt die Freundin schon, weil rundherum alle heiraten.

Der Freund geht los und kauft einen Verlobungsring. Er bucht ein romantisches Wochenende im Galil in einer der vielen Pensionen dort und macht ihr den Antrag.

Schritt 2:

Die Familie wird eingeweiht. Die beiden Familien werden sich vorgestellt und der grosse Kampf beginnt. Das Brautpaar will eine kleine romantische Hochzeit, barfuß am Strand und die Eltern wollen eine riesen Hochzeit mit mindestens 500 Gästen. Dann wird auch noch darüber gestritten, wo die „Hina“ stattfindet oder ob sie überhaupt stattfinden soll. Die Braut weigert sich, sie will diese Party nicht. Der Vater sagt, das geht nicht, die Oma ist da nicht einverstanden. Jeder hatte eine solche Party und schon ist die Diskussion vorbei. Diese Parties sind übrigens meist fast gleich gross wie eine eigentliche Hochzeit.

Schritt 3:

Der Verlobungsring wird bei der Arbeit gezeigt. Bei uns haben im Juni drei Lehrerinnen geheiratet und alle drei hatten den selben Ring. Gabs den etwa im Sonderangebot?

Die Hochzeitshalle wird ausgesucht, die Formalitäten mit dem Rabbanut erledigt und dann gehts auf die Suche nach einem singenden Rabbi. Die sind zur Zeit nämlich voll der Hit.

Wichtiger aber noch als der Ringkauf oder die Hochzeitshalle ist der Brautsalon. Der muss perfekt sein und einen Namen haben. Man geht nicht eben schnell zum Frisör und zur Kosmetikerin und kauft sich ein Kleid in einer Boutique. Nein. In Israel gibts alles inklusive in Brautsalons. Und von denen gibts hier auch viele.

Da wird aus einem hässlichen Entlein innerhalb mehrerer Stunden ein langhaariges Topmodel gemacht…oder sollte ich sagen, eine langhaarige Tabledancerin? Die Bräute, die ich in letzter Zeit sehe, haben immer weniger an, auch wenn sie im Winter heiraten.

Schritt 4:

Nachdem nun alle Vorbereitungen getroffen sind, alle Einladungen verteilt, die Hinaparty stattgefunden hat und die Braut in die Mikve gegangen ist, kanns also losgehen. Wenns denn dann wirklich losgeht. Ich kenne Brautpaare, die haben sich kurz vorher getrennt, weil ihnen einfach alles zu viel wurde. Israelische Eltern mischen sich ja bekanntlich sehr heftig ein. Oder aber, das Brautpaar ist abgedüst und hat allein auf Zypern geheiratet. Ist auch schon vorgekommen. Aber in der Regel beugen sich die israelischen Brautpaare den Wünschen der Eltern und die Hochzeit findet, wie geplant, statt.

Zur Hochzeitszeremonie:

Israelische Hochzeiten finden meist in einer Hochzeitshalle statt. Das ist eine große Anlage mit Park, schönen Palmengärten und großen Hallen.

Die Gäste treffen so kurz vor 20.00 Uhr ein und beglückwünschen die Eltern des Brautpaares, die am Eingang stehen. Meist kennen sich die Gäste gar nicht, denn die Brauteltern laden neben der gesamten Familie natürlich auch Arbeitskollegen, Nachbarn, etc. ein. So kommt man dann auf eine Gästezahl von 500, was eigentlich ganz normaler Durchschnitt ist.

Danach steht ein großer Tresor bereit, in den man das Kuvert mit dem Geldgeschenk für das Brautpaar wirft. Israelische Brautpaare wollen nur Geld. Schließlich kostet so eine Hochzeit ein Vermögen.

Dann stürzt man sich auf das Gartenbuffet. Dies ist nicht nur etwa ein normales kaltes Buffet. Nein, es gibt alles, was man sich nur vorstellen kann. Von Sushi über Kaviar bis zu chinesischen Köstlichkeiten. Meist habe ich danach am Tisch keinen Hunger mehr.

So wandert man also ca. eine Stunde futternd im Garten herum und langweilt sich ein wenig, weil man niemanden kennt. Man kann sich aber auch köstlich amüsieren und über die vielen plastisch veränderten Brüste lustig machen. Israelische Frauen lieben Schönheitsoperationen.

Auch über die Kleidervorschriften ist da einiges zu sagen. Da kommen doch welche direkt von der Arbeit in Jeans und T-Shirt, andere wiederum frisch vom Frisör und in extravagantem Abendkleid. Aber einen Mann im Anzug habe ich nur selten gesehen, von Krawatte ganz zu schweigen. Sowas kennen die israelischen Männer gar nicht.

So gegen 21.00 Uhr wird dann das Brautpaar angekündigt. Die eigentliche Zeremonie beginnt unter dem Baldachin. Die Braut wird mit irgendeinem Stoff bedeckt, denn so freizügig darf man dann doch nicht heiraten. Dann singt der Rabbi, die Segenssprüche werden aufgesagt, Wein getrunken, der Ring gezeigt, das Glas zerbrochen und schon geht der Rummel los.

Alle 500 Gäste stürmen auf einmal unter diesen kleinen Baldachin, um das Brautpaar zu beglückwünschen. Dass Israelis sich nicht in einer Reihe aufstellen können, damit das ganze gesittet zugeht, muss ich ja wohl nicht erwähnen. Irgendwann löst sich dieser Menschenknödel dann auf und alle wandern auf ihre Sitzplätze in der Halle. Übrig bleibt nur ein ziemlich zerknautschtes frischvermähltes Ehepaar, das von der vielen Küsserei arg mitgenommen aussieht.

Zuerst gibts mal Salate und Getränke.

Dann der Eröffnungstanz des Brautpaares. Alle stürmen sofort auf die Tanzfläche, um mit dem Brautpaar zu tanzen. Sie werden auf Sesseln durch die Gegend getragen und sogar die älteste Oma tanzt zu den Hip-Hop-Klängen des Djs.

Danach Essenspause. Vorspeise. Meist drei Sachen zur Auswahl.

Tanz.

Hauptspeise. Wieder Auswahl.

Ich gebe meist schon nach der Vorspeise auf, lasse die Hauptspeise aus und warte mal, was mein Magen sagt.

Tanz.

Nachspeise oder Nachspeisenbuffet. Schmeckt mir aber fast nie. Da das Essen koscher ist und als Hauptgang Fleisch serviert wird, sind die Nachspeisen nie aus richtiger Sahne oder Schokolade sondern aus pflanzlichen Produkten. Nicht so mein Fall. Aber der schwarze Kaffee ist immer gut.

Danach verschwinden die meisten Gäste. Es ist inzwischen schon Mitternacht. Am nächsten Tag wird ja wieder gearbeitet. Israelische Hochzeiten sind immer während der Woche.

Wer noch übrig bleibt, sind Freunde des Brautpaares, die immer noch tanzen, aber das Personal ist bereits am Aufräumen. Das stört die auf der Tanzfläche aber nicht.

Ja, ich befürchte, ich habe eure romantische Vorstellung einer jüdischen Hochzeit jetzt zunichte gemacht.

Es ist natürlich nicht immer so, es gibt Ausnahmen, aber meistens ist es genauso, wie von mir beschrieben, manchmal sogar noch schlimmer!

Mazal Tov!!!

Advertisements

4 Antworten zu “Israelische Hochzeiten

  1. Hi Sabine,

    eennndddlliicchh schreibst du wieder!!!!
    Ich liebe deine Geschichten. Sie sind so super geschrieben.
    …mag ich mehr davon haben…

    Übrigens wollte ich dir noch sagen, dass ich endlich meinen „Absprung“ aus Götzis geschafft habe… Fange in knapp 2 Wochen in Bludenz an und übernehm gleich eine Klasse… bin schon voll vervös – alle neu kennenlernen und gleich KV – Hilfe!

    schick dir ganz liebe Grüße
    Petra

  2. Hi!!!!
    Freut mich wahnsinnig für dich. Die Fahrerei ist auf Dauer nix. Du musst nicht nervös sein, du bist doch ein sehr geselliger Mensch und eine ausgezeichnete Lehrerin! KV-Erfahrung hast du doch auch schon einige Jahre.
    Auf jeden Fall wünsche ich dir sehr viel Spass und Motivation.
    Übrigens euer Ferienhaus in der Toskana war ja ein Traum. So schöne Bilder!
    Liebe Grüße an dich, Martin und eure beiden Mäuse!

  3. hallo.dein beitrag über die hochzeit hat mir sehr gefallen.fliege jetzt mit meiner tochter zur hochzeit meiner nichte.was sollten wir tragen???

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s